AphaSingers

Aphasia Nr.2  Juli 2016
Aphasie suisse

>> AphaSingers Basiliensis

Besuch aus Deutschland

Sich mitteilen können, Wünsche äußern, nach dem Weg fragen – das sind für die meisten Menschen Selbstverständlichkeiten. Nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma oder einer Tumorerkrankung kann das ganz anders aussehen. Plötzlich sind Betroffene im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos.
Aphasie, nennen Mediziner diesen Zustand der Sprachlosigkeit. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet »ohne Sprache«.

Eine erfolgreiche Methode, das Sprechvermögen zurück zu erlangen, ist das Singen. Aus diesem Grund, hat Heike Bandner-Wappler aus Körbecke einen Aphasiker-Chor gegründet. »Viele Menschen können nach einem Schlaganfall nicht mehr sprechen, weil das Sprachzentrum der linken Hirnhälfte geschädigt ist«, weiß die Diplom-Musiklehrerin, Musik- und Kulturgeragogin. Trotzdem sind sie in der Lage, zu singen, weil Liedtexte und Melodien im Musikzentrum, das sich in der rechten Hälfte befindet, abgespeichert sind. »Das bedeutet, dass die Texte, die man mit den Liedern gelernt hat, durch die singende Sprache nicht verloren gegangen sind«, erklärt Heike Bandner-Wappler. Neben dem therapeutischen Effekt, steht bei ihrer Chorwerkstatt für Menschen mit Aphasie aber auch der Gemeinschaftssinn. Denn, dadurch dass sich die Betroffen nicht mehr verständigen können, fühlen sie sich oft einsam. »Durch das gemeinsame Singen wird das Selbstbewusstsein gestärkt und erfahren, dass die Betroffenen mit ihren Problemen sich alleine sind«, berichtet die Chorleiterin. Um Erfahrungen zu sammeln ist die Körbeckerin extra in die Schweiz gereist, um dort den Aphasiker-Chor der Logopädin Fanny Dittmann zu besuchen. Anders als in Deutschland, wo es bisher nur drei offizielle Chöre dieser Art gibt, ist das Singen mit Aphasikern in der Schweiz sehr weit verbreitet. »Als ich in Basel erlebt habe, wie die Menschen, die keinen ganzen Satz aussprechen konnten, gemeinsam im Kanon gesungen haben, war das für mich ein ganz besonderer Gänsehaut-Moment und ich wusste, dass ich hier Zuhause auch ein solches Projekt beginnen möchte«, erzählt Heike Bandner-Wappner.
Und das hat sie auch in die Tat umgesetzt: Die erste Chorprobe findet am Dienstag, 1. März, von 16 bis 17.30 Uhr in der Tagesklinik I des Evangelischen Krankenhauses Gesundbrunnen, Am Krähenberg 1, in Hofgeismar statt und wird dann jeweils am ersten und dritten Dienstag im Monat veranstaltet. Gesungen werden Volkslieder und bekannte Hits, die Heike Bandner-Wappner am Klavier begleitet. Mit dabei ist auch die Warburger Aphasiker-Selbsthilfegruppe, die sich unter der Leitung von Manfred Fuchs jeden letzten Mittwoch im Monat im Helios Klinikum Warburg trifft.
Für weitere Informationen steht Heike Bandner-Wappler unter Telefon 05643/9 40 56 zur Verfügung. Alice Koch